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„Von der Gemeinnützigkeit zum Profit“: Dr. Karl-Heinz Peters, der Gründer der Gropiusstadt, hat ein Buch veröffentlicht
Kategorie: Nachrichten, Aktuelles
Als 1962 der Grundstein für die Gropiusstadt gelegt wurde, versenkte ihn der Mann höchstpersönlich im Beton, ohne den es die Gropiusstadt nicht gegeben – und ohne den sie auch nicht Gropiusstadt geheißen hätte: Dr. Karl-Heinz Peters, damaliger Vorstandsvorsitzender der Gehag (Gemeinnützige Heimstätten AG), holte dann auch Walter Gropius nach Berlin.
Fehlendes Bild "Erschienen im August 2016 im VSA:Verlag
Dr. Karl-Heinz Peters anlässlich seines 100. Geburtstags 2012 in Berlin"

Erschienen im August 2016 im VSA:Verlag

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Dr. Karl-Heinz Peters anlässlich seines 100. Geburtstags 2012 in Berlin"

Dr. Karl-Heinz Peters anlässlich seines 100. Geburtstags 2012 in Berlin

Nachdem 1958 der Bau der Siedlung BBR (Britz-Buckow-Rudow) beschlossen war und die Gehagmit den Grundstückskäufen begonnen hatte, schrieb Peters an den damaligen Senatsbaudirektor Dr. Stephan, dass wünschenswert wäre, eine wirklich gute städtebauliche Lösung zu finden  und mit der Suche nach dieser Lösung einen hervorragenden Architekten und Städtebauer zu beauftragen.  Dabei hatte er von Anfang an Professor Walter Gropius im Sinn. Die Gropiusstadt wurde gebaut – leider wurde von Gropius Plänen nur ein Teil umgesetzt. Trotzdem trägt sie seine Handschrift und wird nicht umsonst die „Grande Dame der Großsiedlungen“ genannt.

Mit der Gemeinnützigkeit allerdings (und auch mit dem gemeinnützigen Wohnungsunternehmen Gehag)  ging es nach 1990 steil bergab. Der Grundgedanke bei der Gründung der Gehag war ursprünglich: „Fort von den Mietskasernen und der Ausbeutung ihrer Mieter unter Verzicht auf Gewinnstreben, Schaffung von Wohnraum für breite Schichten der Bevölkerung.“ Gemeinnützigkeit hieß unter anderem: Das Anlegen von Überschüssen in Instandhaltung oder Neubauten, Beschränkung der Dividende der Anteilseigner auf höchstens 4 %. Gewinnstreben war nicht das Ziel der Gehag, und Karl-Heinz Peters stand und steht noch heute für den Verzicht auf Gewinnmaximierung, Kostendeckung als Grundsatz und den Bau moderner Wohnungen mit tragbaren, sozial verträglichen Mieten.

Karl-Heinz Peters ist eine Schlüsselfigur der gemeinnützigen Wohnungswirtschaft. Er wurde 1912 in Stargard, Pommern, geboren. Von 1953 bis 1978 war er Vorstands- und von 1981 bis 1982 Aufsichtsratsvorsitzender der Gehag. Er ist einer der seltenen Menschen, die ein ganzes Jahrhundert erlebt haben: Zwei Kriege, mehrere Zeitenwenden, geänderter Zeitgeist, geänderte Sichtweisen, andere Sitten. Sein Leben bildet eine Brücke von 1912 bis heute. Bis heute – denn der mittlerweile 104-Jährige hat ungeachtet seines fortgeschrittenen Alters beschlossen, seine Erfahrung und sein Wissen die gemeinnützige Wohnungswirtschaft betreffend weiterzugeben, bevor niemand mehr lebt, der deren (leider negative) Entwicklung miterlebt hat und einzuordnen vermag.

Leider setzte sich „nach und nach in der Sozialen Marktwirtschaft ein ungehemmtes Gewinnstreben – allenfalls begrenzt durch die Nachfrage“ – durch. 1990 wurde die Gemeinnützigkeit in der Wohnungswirtschaft dann per Steuergesetz abgeschafft, DAG und DGB, beide Anteilseigner der Gehag, verkauften ans Land Berlin und dieses im verkaufte im Zuge der Privatisierung das Unternehmen an die Hamburgische Landesbank. Karl-Heinz Peters ist heute noch fassungslos über die folgende Entwicklung: „Dort wurden - vor dem Weiterverkauf zum Zwecke der Refinanzierung des Kaufpreises - aus den Mietern ‚Wirtschaftssubjekte’. Und als Grund für die Verkäufe wurde 'Portfolio-Maximierung' angegeben!“ schreibt er in seinen Gedanken zum 50. Jubiläum der Grundsteinlegung der Gropiusstadt. Der „Abbau der Sozialen Marktwirtschaft zugunsten eines sich immer mehr ausbreitenden Ellbogenkapitalismus“ missfällt dem 104-Jährigen Wirtschafts- und Rechtsexperten sehr, der längerfristige Folgen solchen Tuns beurteilen kann, die andere noch nicht sehen können oder wollen.

Darüber hat Karl-Heinz Peters jetzt ein Buch geschrieben, mit einem Vorwort des  Stadt- und Regionalsoziologen Andrej Holm:  „Von der Gemeinnützigkeit zum Profit“.  Er beschreibt darin die Geschichte und den Niedergang der Gehag und untersucht exemplarisch die Geschäftsprinzipien der heute „Heuschrecken“ genannten Investoren. Laut Kurztext des VSA: Verlags,  in dem das Buch gerade erschienen ist, ist es  die „Geschichte eines beispielhaften gemeinnützigen Wohnungsunternehmens in Berlin und seines Untergangs – eine eindrucksvolle Mahnung für eine Änderung der Wohnungspolitik zugunsten der BewohnerInnen.“

Wenn auch das Wort Gemeinnützigkeit wohl leider bald auf der Liste der bedrohten Wörter erscheinen wird, „Wohnungspolitik zugunsten der BewohnerInnen“ sollte dringend wieder Anspruch unserer Politik werden.

Wir wünschen Dr. Karl-Heinz Peters noch eine erfüllte Zeit und grüßen und danken ihm aus einem lebenswerten Stadtteil!

                                                                                          Ungethüm


Inhalt und eine Leseprobe finden Sie hier auf der Seite des VSA:Verlags



Quellen/Zitate:

Karl-Heinz Peters: Auch ein Zeitzeuge - Autobiografie 1912–1999
Frieling-Verlag Berlin, ISBN 978-3-8280-1921-8

Karl-Heinz Peters: „Die Gropiusstadt - Gedanken zum Jubiläum der Grundsteinlegung“









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