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Das Vogelwäldchen

Das "Vogelwäldchen"

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Der Wildmeister Hugo Luther, Foto: Museum Neukölln

Kennen Sie das „Hugo-Luther-Wäldchen“?

Nein? Können Sie auch nicht kennen, weil es „Rudower Wäldchen“ genannt wird oder „Vogelwäldchen“. Hugo Luther war aber der Mann, der 1872 dieses Wäldchen auf der Feldflur zwischen Rudow und Buckow anlegte. Zwar hatte er dabei nicht im Sinn, einen schattigen Platz für die Sommerspaziergänge der Gropiusstädter zu schaffen, sondern handelte im Auftrag seines Chefs, Kaiser Wilhelm I. Der war, wie früher fast alle hohen Herren, ein leidenschaftlicher Jäger und Hugo Luther einer seiner Jagdbeamten. Er hatte dafür zu sorgen, dass der Kaiser hier genügend Wild vorfand, wenn er zur Jagd kam. Deshalb legte Luther das Wäldchen als Wildremise an (ein Schutzbereich für Niederwild wie Hasen usw.) und hielt die Füchse kurz.

Seine Arbeit war sehr erfolgreich. 1000 Hasen und 900 Rebhühner waren schon mal das Ergebnis einer jährlichen Hofjagd. Gelegentlich gehörten auch die recht scheuen Großtrappen zur Beute. Die Würdigung seiner segensreichen Tätigkeit erfolgte 1890 mit der Ernennung zum königlichen Wildmeister und dann 1939 mit der Umbenennung der Buckower Chaussee in „Wildmeisterdamm“. Da ruhte der Mann jedoch schon 38 Jahre auf dem Buckower Friedhof, wo sein Grab heute noch besucht werden kann.
Das Jagdgebiet Britz-Buckow-Rudow gab es schon seit 1704 als königliche Jagd. Es bestand zwar noch bis 1945, als die Jagd in Berlin verboten wurde - aber schon in den 20er und 30er Jahren mit der zunehmenden Besiedlung der bis dahin landwirtschaftlich genutzten Flächen wurde die Beute immer geringer.

Irgendwie hatte das Wäldchen durch die Wirren der Zeit Glück, dass sich Leute fanden, die ihm zugetan waren. Ab 1929 bemühte sich Wilhelm Schmidt, der spätere Leiter des Neuköllner Heimatmuseums, um die Ernennung zum Vogelschutzgebiet, die auch 1934 erfolgte. Von ihm stammt die Mehrzahl der Fakten in diesem Bericht. Ein weiterer „Pate“ war Obergärtner Knoll, der in der Stadtgärtnerei am Wildmeisterdamm wohnte und das Wäldchen immer im Blick hatte.

Das war auch bitter nötig, denn von den Siedlern in der Nachkriegszeit bis zu den Grenzorganen der DDR und den Stadtplanern der Gropiusstadt setzten alle dem Baumbestand zu. Die Siedler brauchten Holz zum Heizen und stahlen nicht nur Zaunpfähle, sondern ganze Bäume. Die DDR-Grenzer bewirkten mit ihren Schikanen gegen die Neukölln-Mittenwalder Eisenbahn, deren Trasse ursprünglich einige hundert Meter über DDR-Gebiet führte, dass die Schienen durch das Wäldchen verlegt und Bäume gefällt werden mussten. Die Stadtplaner schufen Verbindungen für die Gropiusstädter: Sollmannweg und U-Bahnbau kosteten weitere Bäume. Ziemlich harmlos waren dagegen die Liebespaare, die die Zweisamkeit in der Einsamkeit suchten und dabei vor Mauerbau schon mal versehentlich die Grenze (zur „Zone“ bzw. DDR) überschritten und kurzzeitig in Gewahrsam genommen wurden.

Apropos Bäume, der Artenreichtum hat sich seit Beginn der 60er Jahre nicht wesentlich vermindert: Eichen (in der Mehrzahl), Linden, Kastanien, Pappeln, Birken. Ulmen und Vogelkirschen finden sich wie damals. Auch die Vogelwelt scheint nicht sehr gelitten zu haben. Zwar hat Wilhelm Schmidt noch 46 Arten gezählt, dabei aber auch solche berücksichtigt, die er in 30 Jahren nur einmal beobachtete. 26 Arten kann der aufmerksame Spaziergänger auch heute noch entdecken.

Erhalten geblieben ist auch der von Wilhelm Schmidt beschriebene Waldgeist in Form einer Eiche. „Der Stamm lässt deutlich einen Kopf mit Augen Mund und Nase erkennen.“ Wer ihn findet, kann sich etwas wünschen!

Inzwischen ist das Wäldchen dank Prof. Rossow, dem die Freiraumplanung bei der Entstehung der Siedlung oblag, nahtlos in das Grün der Gropiusstadt integriert und in einigen Jahren wird es auch Anschluss an den Landschaftspark „Am Vogelwäldchen“ finden, der seit 2009 auf Brandenburger Gebiet als Ersatz für das vom Flughafen beanspruchte Gelände entsteht.
Das Wäldchen umzubenennen - wie in der Überschrift getan - wäre sicher nicht sehr sinnvoll, aber die drei genannten Herren in den Wegen an seinem Rand und im Mittelweg zu verewigen machte meines Erachtens schon Sinn. In der Gropiusstadt gibt es viele Straßen, Alleen, Wege, Pfade und Steige, die die Namen verdienstvoller Menschen tragen, die jedoch nicht unmittelbar für uns wirkten. Hugo Luther, Wilhelm Schmidt und Willy Knoll haben aber etwas für uns getan.

Text:
Hans-Georg Miethke


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