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Interview mit Dr. Franziska Giffey, Neuköllner Bezirksstadträtin für Bildung, Schule, Kultur und Sport – März 2014
Kategorie: Interviews, Aktuelles, Nachrichten
Der neue Bildungs-Campus Efeuweg in der Gropiusstadt ist ein besonderes Anliegen der Neuköllner Bildungsstadträtin Dr. Franziska Giffey. Deshalb haben wir sie für den walter gebeten, mal über den Stand der Planungen Auskunft zu geben und darüber, was eigentlich inhaltlich am Efeuweg geschehen soll.

Frau Dr. Giffey, was war denn der Grund bzw. der Auslöser für die Entwicklung eines so großen Bildungscampus in der Gropiusstadt?

Wir hatten dort am Standort bisher die Problematik, dass die Schulen nicht so gut nachgefragt waren. Und für mich war klar – auch als Schulträger – wir brauchen Schulen, die attraktiv sind, wo genügend Schüler und Eltern sagen, sie gehen dort gern und freiwillig hin, weil es ein gutes Angebot gibt. Das war in der Vergangenheit nicht so zufriedenstellend. Wir hatten geringe Anmeldezahlen und haben auch jetzt noch nicht die Anmeldezahlen, die wir uns wünschen. Es gab wirklich Handlungsdruck, es konnte nicht so bleiben, wie es ist: Wir brauchen hier einen Schulstandort mit einem überzeugenden Angebot. Dafür muss man kontinuierlich arbeiten, denn wir haben es in der Gropiusstadt auch mit Abwanderungen zu tun. Die Leute leben hier, aber viele sagen, mein Kind schicke ich nicht hier zur Schule, ich schicke es zum Beispiel nach Treptow-Köpenick. Die einzige Chance, dieser Abwanderung entgegenzuwirken, ist, ein gutes Angebot zu machen, so dass Eltern sagen können: Hier in unserer unmittelbaren Wohnumgebung habe ich so eine gute Schule, da muss ich mein Kind nicht in einen Nachbarbezirk schicken. Und darum geht es, dass unsere Schulen konkurrenzfähig werden und bleiben gegenüber den anderen Schulen in den anderen Bezirken. Das war der Ansatz.

Mit dem Campus Efeuweg wollen wir also ein besonderes, attraktives Bildungsangebot schaffen. Begonnen hat das ja schon mit dem Bildungsverbund in der Gropiusstadt, der auch von der degewo, der örtlichen Wohnungsbaugesellschaft, unterstützt wird und in dem alle Schulen der Gropiusstadt bereits vertreten sind. Dazu kommt die Frage, wie man es schafft, den Stadtteil so attraktiv zu machen, dass eben auch eine Bevölkerung dort bleibt, die gut durchmischt ist. Wir haben am Standort Walt Disney- und Liebig-Schule das Glück, dass von den örtlichen Gegebenheiten her die besten Voraussetzungen da sind, etwas Größeres, Gemeinsames entstehen zu lassen. Ein erster Schritt zu einem attraktiven Bildungsstandort ist nämlich, dass die Institutionen, die dort in unmittelbarer Nachbarschaft sind, besser miteinander zusammenarbeiten und sich aufeinander abstimmen. Dass beispielsweise die Kita ein Konzept hat, dass der Übergang von der Kita in die Grundschule abgestimmt wird, dass sich die Grundschule mit der Oberschule stärker vernetzt. So eine Entwicklung braucht einfach Zeit, aber es ist schon viel passiert – die beiden Schulen sind ja nicht nur vernetzt, sondern bereits an einem Punkt, wo es um eine Schulfusion geht. 

Der Standort bot sich auch deshalb an, weil wir dort auch das Oberstufenzentrum haben, ein gut nachgefragtes Oberstufenzentrum mit naturwissenschaftlichem Profil. Wir entwickeln jetzt ein Konzept, wo es von der Grundschule über die Oberschule bis hin zum Oberstufenzentrum eine abgestimmte Schwerpunktsetzung geben wird. Und der Fokus wird dabei auf den Naturwissenschaften und auf den beiden Themen Sprache und Bewegung liegen.

Also ein ganz spezielles Bildungsangebot, was es nur am Campus Efeuweg gibt?

Nun, die Hermann-von-Helmholtz-Oberschule arbeitet ja auch schon mit dem Oberstufenzentrum zusammen. Aber es wird am Efeuweg ein größeres Bemühen als bisher geben, dass die Bildungsbiographie eines Kindes vom Kindergarten bis hin zur beruflichen Orientierung von einem gemeinsamen Konzept begleitet wird. Und dabei werden die Themen Sprache und Bewegung und naturwissenschaftliche Orientierung im Fokus stehen.

Welchen Zeitrahmen zur Realisierung haben Sie sich denn gesetzt? Wann ist der Campus fertig?

Das kann man zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht sagen, das hängt ganz stark davon ab, welche finanziellen Ressourcen zur Verfügung stehen. Zunächst geht es darum, dass konzeptionell etwas entwickelt wird – und auch, dass sich bestimmte Haltungen verändern – und das hat auch schon deutlich stattgefunden: Die Kita auf dem Gelände, die Jugendeinrichtung, die weiterführende Schule, das Oberstufenzentrum, die Bäderbetriebe mit dem Schwimmbad und die degewo mit dem Sportstadion – sie alle kommen jetzt regelmäßig zusammen, um gemeinsam konzeptionell an der Entwicklung des Campus zusammenzuarbeiten. 

Ich würde das eher so bezeichnen, dass wir bestimmte Meilensteine auf dem Weg dahin zu bewältigen haben: Ein erster ganz wichtiger Meilenstein war im letzten Jahr im Januar/Februar. Da haben das Bezirksamt und die Bezirksverordnetenversammlung einen Beschluss darüber gefasst, dass sie den Campus-Efeuweg entwickeln wollen und dass die beiden Schulen fusioniert werden. Es ist für mich eine ganz wesentliche Gelingensbedingung eines guten schulischen Angebots, dass wir eine Gemeinschaftsschule schaffen, wo die Kinder von der ersten Klasse bis zum Abitur bleiben können – nicht bleiben müssen, aber bleiben können. Und dass wir es schaffen, sowohl in der Grund- als auch in der Oberstufe einen gebundenen Ganztagsbetrieb zu realisieren. Ein attraktives Angebot heißt, dass es für alle eine Nachmittagsbetreuung gibt, und dass das pädagogische Konzept auch darauf ausgerichtet ist. Das ist übrigens auch das, was von den Eltern nachgefragt wird. Das können wir aber im Moment mit den bestehenden Gebäuden noch nicht realisieren. Es braucht mehr Räume, wenn man in der Grundstufe die gebundene Ganztagsschule einführen will. Deshalb ist ein wesentlicher Bestandteil für die weitere Planung, dass dort ein Erweiterungsbau entstehen muss. 

Und wir wollen auf dem Campus – noch ein zweiter wichtiger Meilenstein – ein Kompetenzzentrum für Sprache und Bewegung schaffen. 

Was versteht man darunter?

Es ist getragen von dem Gedanken, dass wir als Schulstandort auch in den Stadtteil hineinwirken wollen und dass es auch Angebote auf dem Campus geben soll, die für das Stadtgebiet attraktiv sind. Zum Beispiel, dass die Musikschule und die Volkshochschule direkt vor Ort sind, dass es Bewegungsangebote gibt für Mütter, für Väter, für alle Menschen, die im Gebiet wohnen. Und zum Beispiel auch, dass Deutschkurse angeboten werden, dass man also etwas schafft, wo sprachliche Bildung und Beratung, aber auch Bewegungs¬angebote vom Campus aus in den Stadtteil hineinwirken. In Hamburg gibt es so ein Zentrum für Sprache und Bewegung schon – ein Modell, an dem wir uns orientieren wollen. Ich bin dort gewesen und habe mir das angesehen. Da gibt es unter anderem auch ein Café, das könnte ich mir hier auch gut vorstellen, aber als Bestandteil des Ganzen, ein Campus-Café. 

Der Campus soll ja geöffnet werden für die Bewohnerinnen und Bewohner. Wie erreicht man das?

All das war auch Thema bei dem Planungsworkshop: Was wollen wir eigentlich auf diesem Campus? Einerseits soll er nach innen gerichtet sein, Bildungsangebote-bezogen für Schülerinnen und Schüler und Lehrerinnen und Lehrer. Und andererseits: Wie kann so ein großes Gelände ein Ort werden, der die Attraktivität des Stadtteils steigert?

Wenn man sich das Gelände ansieht, wird deutlich, dass die Durchwegung dort nicht ideal ist. Man kann nicht wirklich darüber laufen, nur außen herum gehen und es gibt viele Zäune und Wegbarrieren. Ein wesentlicher Bestandteil der Überlegungen ist: Wie soll man künftig auf den Campus kommen, welcher Teil ist öffentlich? Das Schwimmbad ist z.B. ein ganz großer Bestandteil, der in das Gebiet hineinwirkt. Es wird ja voraussichtlich am Ende des zweiten Quartals 2014 eröffnet. Und das degewo-Stadion wird gerade saniert, da laufen die Baumaßnahmen. Das soll zum Mai hin abgeschlossen sein, so dass wir dann dort einen modernen Sportplatz haben, auf dem schon kurzfristig neue öffentliche Sportangebote auf dem Campus entstehen werden.

Gehören die Sportstätten, die jetzt eröffnet werden, denn zum Zentrum für Bewegung und Sprache dazu? Ist dieses Zentrum für Bewegung und Sprache ein Haus oder eher ein Konzept?

Es soll ein Haus werden, aber es ist natürlich auch ein Konzept, was dahinter steht. Nämlich, die Dinge, die dort angeboten werden, zu bündeln und als Campus-Angebot zu etablieren, sowohl nach innen als auch nach außen zur Nutzung für die Bevölkerung. Wie das alles genau ausgearbeitet wird, das müssen wir noch sehen. Als Erstes brauchen wir einen Erweiterungsbau für die Grundschule und es ist die Überlegung, ob da dann auch das Zentrum für Sprache und Bewegung hineinkommt. So werden also noch einige Schritte zu tun sein, der Campus Efeuweg ist ganz klar eine mittelfristige Planung, die sich wahrscheinlich bis 2020 hinziehen wird.

Der Planungs-Workshop war also der nächste große Meilenstein der Entwicklung. Was kommt danach?

Alles, was auf diesem Planungs-Workshop herausgekommen ist, wird von den Architekten aufgenommen und in den Masterplan einfließen. Für uns ist jetzt vor allem jegliches Bemühen um Finanzierung wichtig. Für diesen Masterplan haben wir Fördergelder bekommen – das kostet 50.000 €, diese Fördermittel haben wir aus dem Programm „Soziale Stadt“ beantragt. Außerdem wird mit weiteren 23.000 € der Eingangsbereich am Efeuweg von Landschaftsplanern im Herbst 2014 neu gestaltet. Das wird der nächste sichtbare Schritt sein. 

Der Masterplan soll im Juni fertig werden und wird dann der Bezirksverordnetenversammlung vorgestellt und zur Beschlussfassung vorgelegt. Und wenn wir das haben, ist für mich natürlich der nächste Schritt die Frage der Finanzierung der Erweiterungsbauten. Wir wollen versuchen, das sowohl über bezirkliche Mittel als auch über Fördergelder zu finanzieren. Wir haben morgen Besuch vom Bundestagsabgeordneten Dr. Ernst Dieter Rossmann, denn für mich ist auch wichtig, dass wir diese Idee in die Öffentlichkeit transportieren, um Unterstützung dafür zu bekommen. Wir haben jetzt auch die Lions-Clubs Berlin-Dahlem und Glienicker Brücke an Bord, die sich sehr für das Projekt interessieren, es unterstützen – sie haben schon Instrumente gespendet und das Shakespeare-Projekt an der Liebig-Schule unterstützt. Das sind zwar kleine Projekte, aber es bedeutet, dass Menschen wahrnehmen, was am Efeuweg passiert und uns mit ihrer Kraft unterstützen. Das ist für mich ein ganz wichtiger Aspekt in Vorbereitung auf die größeren Maßnahmen, die dort anstehen. Der nächste, wichtige Meilenstein auf dem Campus ist dann der Neubau des Oberstufenzentrums durch den Berliner Senat. 

Wann geht das los?

Das OSZ ist ja nicht in bezirklicher Trägerschaft, sondern in Senats-Trägerschaft und die gesamte Baumaßnahme wird nicht über den Bezirk abgewickelt, sondern über den Senat. Dennoch konnten wir erreichen, dass das Preisgericht eine Entscheidung getroffen hat für einen Schulbau, der sich zum Efeuweg hin öffnet. Die Schule wird sich auf diese Campus-Idee hin ausrichten. Dieser Neubau wird voraussichtlich im nächsten Jahr starten, eventuell sogar schon im Oktober dieses Jahres – der Bau wird aber sicherlich bis 2016/17 dauern. Auch da ist das Entscheidende, dass die verschiedenen Akteure dort inhaltlich gut zusammenarbeiten – so dass man zum Beispiel am OSZ dann auch ein ganz normales Abitur ablegen kann. Inhaltliche Zusammenarbeit bedeutet auch, dass es jetzt einen Lehreraustausch zwischen der Grund- und Oberschule gibt und zwischen Oberschule und Oberstufenzentrum.

Fortbildung schulstufenübergreifend gehört also zum Konzept?

Ja – und dass die Schüler auch schon die weiterführenden Schulen und Lehrer kennenlernen können, also auch ganz praktisch schon einen Ausblick in ihre zukünftigen Lernmöglichkeiten haben. Das sind die Dinge inhaltlicher Art – es gibt also beim Campus Efeuweg im Moment eine Entwicklung auf mehreren Ebenen: Einerseits die pädagogische Entwicklung – die Fusion der Schulen, die Entwicklung zur Gemeinschaftsschule, die 2015/16 abgeschlossen sein wird. Dann die konzeptionelle Entwicklung des Campus mit der Öffnung zum Stadtteil. Und andererseits die Finanzierung und dann die bauliche Planung und Realisierung. 

Schulentwicklung ist auch immer ein Prozess. Sich konzeptionell anders aufzustellen, braucht einfach Zeit. Es fusioniert sich nicht von heute auf morgen. Aber ich denke, wenn man es schafft, dass unsere Bemühungen in der Öffentlichkeit ankommen, dass erkannt wird, dass es Unterstützung gibt, bedeutet dies schon Veränderung und Weiterentwicklung. Die Frage danach, wann ist alles fertig, ist eben auch insofern schwierig, weil ich glaube, ein Bildungscampus ist nie wirklich fertig. Er muss sich auch weiter entwickeln, wenn die Gebäude stehen und die Wege so sind, wie wir uns das wünschen. Dann wird es neue pädagogische Konzepte geben, die umgesetzt werden sollen. 

Und das ist letztendlich die Frage: Haben wir hier ein attraktives Stadtquartier oder nicht? Denn wenn ein Stadtgebiet ein gutes Bildungs¬angebot hat, dann bedeutet das auch eine Stärkung der sozialen Struktur insgesamt. Daraufhin ist unser Bemühen ausgerichtet!

Frau Dr. Giffey, wir danken Ihnen für das Gespräch!

Interview:
Undine Ungethüm







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Veranstaltungen


Mi 19.12. ab 13 Uhr
Weihnachtsessen
Nachbarschaftstreff Waschhaus-Café
Eugen-Bolz-Kehre 12 12351 Berlin
Anmeldung bis zum 6.12. unter 30 36 14 12

Do. 20.12. 18 Uhr
Adventssingen mit den Kirchen und christlichen Chören der Gropiusstadt
Gropius-Passagen/ Atrium
Veranstaltet von der Evangelischen Kirche in der Gropiusstadt, Dreieinigkeit und der kath. Kirche St. Dominicus

Sa 24.12.  15 Uhr
Krippenspiel
Kirchengem. St. Dominicus
Lipschitzallee 74