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Heinz Buschkowsky, Bezirksbürgermeister von Neukölln, im Interview mit Kinderreportern aus der Gropiusstadt
Kategorie: Interviews
Walter-Kinderreporter aus der Gropiusstadt unterwegs in Neukölln: Vier Kinderreporter haben sich am 18.12.2007 auf den Weg ins Rathaus Neukölln gemacht, um für die Walter-Leser in der Gropiusstadt den Bezirksbürgermeister Heinz Buschkowsky zu interviewen.
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Angelina, Nora, Heinz Buschkowsky, Deniz und Halas im Rathaus vor dem Neuköllner Wappen (Foto: M. Akca)

In letzter Zeit ist er ja oft in der Presse, denn Neukölln ist ja nicht grade der einfachste Bezirk der Stadt, wir haben hier mehrere Brennpunktgebiete. Aber wir haben auch jede Menge Schüler in Neukölln, die klug sind, neugierig und aktiv. Und damit man unseren Bürgermeister mal ein bisschen näher kennenlernen kann, sind vier von ihnen zusammen mit der Walter-Redakteurin Undine Ungethüm und Mustafa Akça vom QM-Team ins Rathaus gefahren und haben Heinz Buschkowsky ein paar persönliche Fragen gestellt.

Deniz und Nora von der Hugo-Heimann-Grundschule und Angelina und Halas von der Janusz-Korczak-Grundschule in der Gropiusstadt waren schon ein bisschen aufgeregt. Eine Woche vorher war Redaktionssitzung, da hatten sie sich die Fragen ausgedacht, die sie stellen wollten. Und geübt, wie man mit der Aufnahmetechnik umgeht.

Im Rathaus angekommen, ging’s erstmal rauf auf den Rathausturm, einhunderteinundzwanzig Stufen muss man hochsteigen (haben die vier Reporter gezählt!), vorbei an der Turmuhr, die ist noch komplett mechanisch, mit riesigen Eisenketten mit Gewichten dran. Weiter vorbei an der Nisthöhle des Neuköllner Turmfalkenpärchen (jawohl, die wohnen gerne hier!). Und dann waren wir oben und hatten einen wunderbaren Blick über Neukölln. Man konnte die Karl-Marx-Straße entlang sehen, in Richtung Mitte bis zum Fernsehturm. Im Süden lag unsere Gropiusstadt, deutlich zu erkennen mit dem Ideal-Hochhaus.

Danach ging’s all die Stufen wieder runter und wir wurden sehr herzlich vom Bürgermeister persönlich empfangen. Und dann hat Halas das Aufnahmegerät eingeschaltet, Angelina die Kamera und es ging los:

Halas:    Herr Buschkowsky, wir wollten Ihnen gern ein paar Fragen stellen. Was für Aufgaben hat denn ein Bürgermeister?
Naja, zum Beispiel gibt er manchmal Interviews für Zeitungen, für große Zeitungen, oder für eine Stadtteilzeitung, wie z.B. heute für den Walter. Ansonsten ist der Bürgermeister aber in einer Stadt oder seinem Bezirk dafür da, dass alles seinen rechten Gang geht. Das heißt, er muss zusehen, dass es möglichst allen Menschen gut geht. Dass es viele Schulen für die Kinder gibt, dass die Straßen in Ordnung sind, die Sportplätze , und die Grünanlagen. Und dass es Büchereien gibt und solche Dinge. Darum muss sich der Bürgermeister kümmern, damit die Menschen, die in seinem Bezirk wohnen, alles das haben, was sie zum Leben brauchen.

Angelina: Was essen Sie eigentlich morgens zum Frühstück?
Was ich frühstücke? Das kommt darauf an, ob ich am Wochenende zu Hause bin, dann frühstücke ich natürlich etwas anderes als im Büro. Zuhause, wenn ich Zeit habe, frühstücke ich mit meiner Frau. Da haben wir viele Sachen auf dem Tisch, Wurst und Käse und verschiedene Brötchen. Wenn ich im Büro bin, dann habe ich meistens nur ein Brot mit, das meine Frau mir gemacht hat. Ich weiß oft gar nicht, was drauf ist, ich muss dann erstmal nachsehen, ob etwas drauf ist, was mir schmeckt. Früher, als ich so alt war wie ihr, hatten wir auch immer Schulbrote mit, und das Spannendste war in der ersten Pause, wenn alle ihre Brote ausgepackt haben, zu sehen, was man drauf hatte und was jeweils der andere drauf hatte. Wir haben dann immer getauscht, denn natürlich wollte man gerade das haben, was der andere auf dem Brot hatte und nicht das, was man selbst hatte. Ich weiß gar nicht, ob so was heute noch gemacht wird, ob Kinder überhaupt noch Brote mitkriegen oder ob sie ihre halben Brötchen in der Cafeteria kaufen.

Angelina: Also wir bekommen Brote mit und dann tauschen wir auch mal. Herr Buschkowsky, auf welche Schule sind Sie denn früher gegangen?

Ich bin in die Matthias-Claudius-Schule gegangen, in Rudow, in der Köpenicker Straße. Die Schule gibt es heute noch.

Angelina: Was haben Sie in Neukölln im nächsten Jahr vor? Also was ist 2008 geplant?
Ganz viel. Alles kann ich Euch nicht sagen, so viel Platz habt Ihr nicht in Eurer Zeitung. Aber ich nehme mal ein bisschen heraus, das vielleicht für Euch interessant sein könnte. Der Gutshof Britz wird umgebaut werden. Da kommen wieder Tiere rein, so dass Familien und Kinder sehen können, wie früher so ein Gutshof richtig betrieben  wurde. Dann werde ich mich im nächsten Jahr darum kümmern, dass der Mitmach-Zirkus in der Gutschmidstraße bleibt. Ich weiß nicht, ob Ihr schon mal da wart?

Deniz:    Ja, der Zirkus Mondeo, da sind wir mal aufgetreten.

Also darum will ich mich kümmern: Dass der Mitmach-Zirkus Mondeo weiter für die Grundschulkinder zur Verfügung steht, denn ich finde das eine tolle Sache, dass man dort mitmachen und etwas lernen kann. In 2007 haben wir ja das Gemeinschaftshaus in der Gropiusstadt in Ordnung gebracht. Das war lange Zeit geschlossen und eine Baustelle; jetzt ist es wieder fertig, und alle können hingehen und sich treffen, es können Aufführungen stattfinden und Veranstaltungen. Im nächsten Jahr werden wir dann damit anfangen, ganz viele Radwege in Ordnung zu bringen – 50 km. Teilweise sind sie in einem ganz schlechten Zustand. Da, wo Ihr wohnt – am Köllner Damm z.B. - ist der Radweg auf der einen Seite ganz, ganz schlecht. Da kann man fast nicht fahren, ohne hinzufallen. Also die Radwege werden wir im nächsten Jahr in Ordnung bringen. Aber das sind nur ein paar konkrete Sachen von all denen, die im nächsten Jahr anstehen.

Nora: Herr Bürgermeister, waren Sie früher gut in der Schule?

Hmmh, ehrlich gesagt, nicht besonders. Ich war nicht schlecht, ich bin nie sitzen geblieben, aber ich war auch kein Musterschüler.

Nora:    Macht Ihnen Ihr Job überhaupt Spaß?
Ja, der Job macht mir Spaß, sonst könnte man ihn nicht machen. Wenn man zur Arbeit geht und hat dazu eigentlich gar keine Lust, dann wird auch meist nix draus. Man muss schon wissen, warum man etwas macht. Es gibt auch mal einen Tag, wo man keine Lust hat, das Wetter ist schlecht, ich bin mit dem falschen Bein aufgestanden oder es hat mich schon morgens jemand geärgert. Dann ist der ganze Tag schlecht. Aber so einen Tag übersteht man. Wenn man aber alle Tage betrachtet, muss das schon Spaß machen.

Das ist wie mit dem Zur-Schule-Gehen. Man muss wissen, dass es Sinn macht, zur Schule zu gehen und zu lernen, auch, wenn mal ein Tag kein Spaß macht, weil eine blöde Arbeit geschrieben wird, für die man nicht gelernt hat oder vielleicht, weil man seine Hausaufgaben nicht gemacht hat. Aber Dumm-Bleiben ist auch nicht so das Wahre, denn nur wer schlau ist, bekommt hinterher einen guten Job. Wenn ich dumm wäre und nicht lesen und schreiben könnte, dann könnte ich auch nicht Bürgermeister sein. Also wenn Du Bürgermeisterin werden willst, musst Du auf jeden Fall gut Lesen und Schreiben lernen.

Nora:    Wie wird man denn eigentlich Bezirksbürgermeister?
Naja, das ist nicht so einfach. Alle paar Jahre gibt es Wahlen, da gehen alle Menschen, die erwachsen sind, abstimmen. Damit legen sie fest, wer in den nächsten fünf Jahren im Bezirk sagen soll, was richtig ist. Es gibt mehrere politische Parteien, die einen sagen 'wir sind die Besten' und die anderen sagen 'ach, die sind ganz schlecht, wir sind die Besten'. Und die Dritten kommen und sagen, 'die sind alle beide schlecht'. Und dann sagt jede Partei noch, ' wir haben den besten Mann, der Bürgermeister werden soll'. Und die anderen sagen, 'unserer ist aber viel besser'.

Die Menschen im Bezirk entscheiden dann, wer in den nächsten Jahren Bürgermeister sein wird. Deshalb gehen sie wählen. Und wer die meisten Stimmen bekommen hat – das ist wie bei der Klassensprecherwahl, der ist dann für eine gewisse Zeit – fünf Jahre –Bürgermeister und kann bestimmen, wo’s langgeht. So funktioniert das im Großen und Ganzen.

Und das bedeutet, man muss die Menschen davon überzeugen, dass man schlau ist und geeignet. Und die Leute müssen sagen 'jawohl, das ist ein schlauer Kerl, dem trauen wir zu, dass er alles richtig macht in den nächsten fünf Jahren für unseren Bezirk'. Oder 'das ist eine kluge Frau, die finden wir klüger als den Kerl, deshalb wählen wir die Frau'. Zum Schluss wird dann zusammengerechnet und nachgeschaut, wer die meisten Stimmen hat.

Deniz:    Was wollten Sie denn als Kind mal werden?
Das weiß ich nicht mehr so ganz genau. Also ich vermute mal, ich wollte das werden, was alle Kinder werden wollen, Lokomotivführer, Autobusfahrer … Meistens wollen Kinder ja das werden, was sie gerade sehen. Wenn man mit einem Zug fährt, will man Lokomotivführer werden und wenn man im Zoo ist, will man mit den Tieren arbeiten, die Kinder sehen das und sagen 'oh, das find ich aber toll, was der da macht oder was die da macht, und das will ich auch werden'. Das war bei mir bestimmt auch so. Aber genau weiß ich das nicht mehr, es ist zu lange her.

Deniz:    Haben Sie ein Vorbild?
Ob ich ein Vorbild habe? Die meisten Leute finden es toll, zu sagen, wer ihr Vorbild war. Mutter Theresa oder Albert Schweitzer zum Beispiel. Solche Vorbilder habe ich nicht.

Mein Vorbild sind eigentlich alle die Menschen, die sich bemühen, Dinge zu tun, die sie nicht tun müssten. Wenn jeder nämlich nur das tut, was er tun muss, dann ist das zu wenig. Ganz, ganz viele Leute machen mehr, als sie tun müssten. Z.B. im Quartiersmanagement sitzen sie im Quartiersbeirat und da müssten sie gar nicht sitzen, dafür kriegen sie gar kein Geld. Und trotzdem sitzen sie da und diskutieren und kümmern sich darum, was in ihrer Wohngegend passieren soll.

Ihr Kinder als Kinderreporter zum Beispiel, macht grade Interviews für die Kiez-Zeitung. Das müsstet ihr nicht tun; ihr könntet jetzt auch irgendwo vorm Fernseher sitzen. Und trotzdem macht ihr das nicht, sondern seid hier, habt den weiten Weg auf euch genommen, um im Rathaus mit dem Bürgermeister ein Interview zu machen. Das nennt man ehrenamtliche Tätigkeit. Und man nennt es Ehrenamt, weil man es tut, ohne Geld dafür zu bekommen, sondern sozusagen nur der Ehre wegen. Und für mich sind alle Menschen ein Vorbild, die nicht bei allem, was sie tun, fragen, "wie viel Geld krieg ich dafür?", sondern die sagen: "Ich mache das, weil ich es wichtig finde, und richtig, dass es gemacht wird". Sie sind für mich Vorbilder und da gibt es ganz viele, die so etwas tun. Im Sportverein, oder in der Schule gibt es z.B. Mütter und Väter, die Dinge machen, die sie gar nicht machen müssten; sie renovieren die Klassenräume, sie bewirtschaften die Cafeteria oder sie gehen bei Ausflügen mit.

Das sind kleine Dinge, die Menschen machen, aber nur deshalb kann alles funktionieren.

Halas:    Herr Buschkowsky, was ist eigentlich Ihr Lieblingsbuch?

Das ist eine ganz ganz schwere Frage, ich lese ziemlich langweilige Bücher, es sind die Bücher, die dort auf meinem Schreibtisch liegen, sie haben mit der Arbeit zu tun. Ich lese keine Romane, und keine unterhaltsamen Bücher, ich habe keine Zeit dafür. Nur für Bücher, die mit meiner Arbeit oder mit der Politik zu tun haben.

Halas:    Also lesen Sie nie Freizeitbücher?
Nein, Freizeitbücher lese ich überhaupt nicht. In meiner Freizeit lese ich kaum. Das einzige Freizeitvergnügen, was ich habe, ist Fahrradfahren. Ich fahre viel und ganz lange, manchmal sogar 70, 80 km am Tag.

Halas:    Oh okay! – Dann hab’ ich noch eine letzte Frage:
Ist Bürgermeister ein harter Job?

Nun, jeder Beruf hat Momente, wo es nicht sehr angenehm ist, wo man ganz schön gefordert wird, körperlich oder geistig.  Aber es ist auch insofern schwierig - es gibt ein Sprichwort und das kann man gut auf Bürgermeister anwenden: "Es recht zu machen jedermann, ist eine Kunst, die niemand kann." Ein Bürgermeister ist ja für alle da. Neukölln hat über 300.000 Einwohner. Und jeder Einwohner hat so seine eigenen Vorstellungen, was gut und was falsch ist und was er haben möchte oder nicht.

Das hängt davon ab, … ein Mensch, der 80 Jahre alt ist, hat andere Bedürfnisse und andere Wünsche, als jemand, der 13 ist. Und eine Familie, die viele Kinder hat, hat andere Wünsche, als eine Familie, die keine Kinder hat. Autofahrer möchten große breite Straßen. Fußgänger sagen, wir wollen breite Fußwege haben, Autos brauchen nicht so viel Platz! Die Radfahrer sagen, sie wollen bequeme Radwege haben, wo sie nicht auf Autos treffen. Und andere sagen, so'n Quatsch, braucht man alles nicht; die Hunde müssen irgendwo laufen können und hinkacken und deswegen wollen wir Hundeauslaufgebiete. Wieder andere sagen, Iiihh, dafür geben wir doch unseren Platz nicht her, nur für die Hundekacke; das sollen die Leute gefälligst aufsammeln und in den Müll werfen. Und die nächsten sagen wieder, wir wollen ganz viele Schulen haben, damit die Kinder viel lernen. Und manche sagen, die Kinder lernen heute sowieso nichts; wir haben genug Schulen und die sind groß genug.

Mit diesen ganzen Aufzählungen will ich nur sagen, es gibt viele Vorstellungen, was wichtig ist und was zuerst gemacht werden sollte. Und der Bürgermeister muss entscheiden, das ist wichtig, und das ist im Moment nicht so wichtig. Und es gibt immer Leute, die sagen, „das ist Quatsch, ich hätte es anders entschieden, der Bürgermeister ist eine Flasche!“ Und so passiert es, dass man manchmal Schimpfe kriegt, und manchmal gelobt wird. Wenn man Schimpfe kriegt, ist das natürlich nicht so schön. Wenn man gelobt wird, macht es mehr Spaß.

Halas:    Also sind nicht alle Politiker mit Ihren Antworten zufrieden?

Nein, nicht nur Politiker, auch die Bürger nicht. Natürlich sind nicht immer alle Menschen gleich zufrieden. Das geht gar nicht. Dazu sind die Menschen zu unterschiedlich. Man muss eben immer gucken, was für die Mehrheit das Beste ist.

Halas:    Herr Buschkowsky, ich danke Ihnen für Ihre Antworten.
Bitteschön.

Das Interview führten:
Abnora Gashi und Deniz Pekpak, Klasse 4b, Hugo-HeimannGrundschule und
Angelina Borovec und Halas Djoki Khidir, Klasse 6b, Janusz-Korczak-Grundschule

Foto: U. Ungethüm

zuerst erschienen im Walter, Stadtteilzeitung für die Gropiusstadt, Ausgabe Januar 2008







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Veranstaltungen


Mi 19.12. ab 13 Uhr
Weihnachtsessen
Nachbarschaftstreff Waschhaus-Café
Eugen-Bolz-Kehre 12 12351 Berlin
Anmeldung bis zum 6.12. unter 30 36 14 12

Do. 20.12. 18 Uhr
Adventssingen mit den Kirchen und christlichen Chören der Gropiusstadt
Gropius-Passagen/ Atrium
Veranstaltet von der Evangelischen Kirche in der Gropiusstadt, Dreieinigkeit und der kath. Kirche St. Dominicus

Sa 24.12.  15 Uhr
Krippenspiel
Kirchengem. St. Dominicus
Lipschitzallee 74