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Interview mit Hardy Telge, Präventionsbeauftragter, Polizeiabschnitt 56 und Mitglied im Quartiersbeirat
Kategorie: Interviews
Die Gropiusstadt ist ein sogenanntes Präventionsgebiet. Das bedeutet, hier sollen durch vorbeugende Maßnahmen negative Entwicklungen aufgehalten und zum Positiven gewendet werden. Damit der Stadtteil ein lebenswertes Viertel bleibt, in dem sich seine Bewohner wohlfühlen können.
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Hardy Telge, Präventionsbeauftragter der Polizei für die Gropiusstadt

Herr Telge, was genau ist eigentlich Prävention?
Also, wir haben bei der Berliner Polizei zwei Präventionsbereiche, es gibt auf jedem Abschnitt einen Beauftragten für die Kriminalprävention und einen Sicherheitsberater für die Verkehrsprävention, das sind mein Kollege Herr Giese und ich. Denn die Polizei hat ja die Aufgabe, nicht nur repressiv vorzugehen (Strafverfolgung), sondern bestimmte Dinge vorbeugend anzugehen. Und im Bereich der Kriminalprävention z.B. machen wir viel  in Schulen, also mit Kindern und Jugendlichen.

Prävention bedeutet ja Vorbeugung.
Vorbeugung, genau, um bestimmte Sachen schon im Vorfeld verhindern zu können. Zum Beispiel haben wir gerade einige Fälle von besonders schweren Diebstählen aus Autos, wo Täter sehr schnell und kurzfristig vor Kitas zuschlagen, wenn die Mütter ihre Kinder morgens in die Kita bringen. Sie sind dann unter Zeitdruck, lassen ihre Tasche im Auto liegen, und zwar so, dass man’s halt sehen kann. Deshalb haben wir jetzt Informations-Flyer entwickelt, die wir jetzt in den entsprechenden Kitas, Horteinrichtungen und Schulen aushängen werden, um die Kraftfahrer – vor allem Frauen sind es ja leider – zu sensibilisieren, auf ihre Sachen aufzupassen.  Das bedeutet, vorbeugend tätig zu werden.

Im Bereich der Seniorenprävention zeigen wir beispielsweise, wie sich Senioren bewegen sollten, dass sie z.B. nicht unbedingt allein Geld abheben gehen. Viele trauen sich ja gar nicht mehr in den Abendstunden raus und dann sagen wir ihnen, wie man das doch hinbekommen kann: Dass man eben besser gemeinsam geht. Und in Schulen beispielsweise besteht unsere präventive Aufgabe darin, den Schülern aufzuzeigen, wie man sich in bestimmten Situationen verhalten kann: Zum Beispiel wie man sich raushalten kann, so dass eine Situation eben nicht eskaliert.

Also vor allem Gewaltprävention?
Genau, wir machen richtige Anti-Gewaltveranstaltungen an Schulen, von der 5. Klasse bis zum Abitur. Wir fangen in der Kita an, Vorschulgruppen kommen zu uns und besuchen den Abschnitt, da können sie Fragen stellen und sich alles ansehen, die Zellen beispielsweise. Ein bisschen Polizei zum Anfassen.  Und wir machen im Vorfeld auch  Elternabende, um den Eltern zu erklären, was wir mit den Kindern vorhaben. Für kleinere Kinder machen wir themenorientierte Informationsveranstaltungen, zum Beispiel, wie sie sich richtig verhalten können, dass sie im Zweifel wegrennen sollen, laut um Hilfe schreien, nicht mit fremden Leuten mitgehen. Das sind oft Sachen, die Kinder und Jugendliche sowieso von zu Hause aus mitbekommen sollten. Aber unsere Erfahrung ist, dass es ganz gut ist, wenn ein uniformierter Polizeibeamter kommt, der das erzählt - vielleicht aus einer anderen Sichtweise - und der auch Sachen mit einbringen kann, die er selbst im Einsatz erlebt hat. Wir haben die Erfahrung, dass Kinder und auch Jugendliche dann tatsächlich mehr hinhören und auch mal nachdenken und sagen: "vielleicht hat der doch Recht".

Wie gefährlich ist denn die Gropiusstadt wirklich?

Die Gropiusstadt ist nicht gefährlicher als andere Großraumsiedlungen in Berlin auch, nicht mehr und nicht weniger. Es gibt natürlich Delikte, die hier sicherlich häufiger auftreten. Das ist leider der Bereich der Raubtaten. Aber das liegt daran, dass wir die Gropiuspassagen haben.

Gibt’s noch andere Stellen in der Gropiusstadt, wo sich Kriminalität konzentriert?
Nein, so richtige Schwerpunkte haben wir nicht bei uns im Bereich.

Und Jugendkriminalität? Gibt es hier Banden?

Also den Begriff "Bande" mag ich gar nicht. Bande ist wirklich was anderes. Natürlich gibt’s auch hier einige Jugendliche, das war mal eine Zeit lang ein Problem. Aber da haben wir sehr eng mit dem Jugendamt zusammengearbeitet, die operative Gruppe Jugendgewalt war mit involviert, die sind sowieso ständig dran an diesen Gruppierungen. Es wurden Hausbesuche gemacht übers Jugendamt, mit dem Streetworker, wir haben mit den Eltern gesprochen. Das hatte großen Erfolg. Wir hatten dann eine ganze Weile Ruhe.

Jetzt haben wir die Situation, dass die kleinen Geschwister quasi nachwachsen und in die Fußstapfen ihrer großen Geschwister treten wollen. Aber wir haben das schon erkannt, wir sind dran, mit dem Jugendclub UFO sind wir in sehr engem Kontakt. Wir treffen uns regelmäßig, und tauschen uns aus, die Namen sind bekannt. Wir beobachten sie. Ja, und wenn das also tatsächlich wieder ausarten sollte, machen wir wieder Hausbesuche. Außerdem kümmern sich die Streetworker aus dem Jugendclub UFO sehr darum und ich denke, dass wir diesen Bereich in den Griff bekommen.

Was können denn sie denn den Bürgern raten um sich sicherer zu fühlen im Stadtteil, den älteren Bewohnern zum Beispiel?

Also den Älteren sage ich immer: "Gehen Sie ruhig raus". Je mehr Leute draußen sind, desto weniger passiert. Und man muss auch mal ganz klar sagen, dass es nicht so ist, dass, wenn ein Rentner hier um 22 Uhr durch die Grünanlagen der Gropiusstadt läuft, dass er dann überfallen wird. So ist es nicht! Senioren werden hier in der Gropiusstadt relativ selten Opfer von Straftaten. Im Bereich von Gewaltstraftaten sind eher Jugendliche und junge Erwachsene involviert.

Gibt es etwas, was Ihnen besonders wichtig ist? Was Sie gern den Leuten sagen würden.

Ich mache seit vielen Jahren Präventionsarbeit und das gefällt mir sehr gut – Engagement für einen Stadtteil finde ich wichtig, deshalb arbeite ich auch zum Beispiel im Quartiersbeirat mit. Denn ich glaube eben, dass man im Vorfeld „viel Luft rausnehmen kann“, vor allem, wo sich Gemüter erhitzen, also beim Miteinander der Leute hier in der Gropiusstadt.

Ich denke, man sollte nicht immer die Jugendlichen verdammen. Die haben es auch nicht leicht, das muss man mal ganz klar so sehen. Hier tut sich mittlerweile ja eine ganze Menge, aber trotzdem gibt’s halt immer noch zu wenig Angebote für die Jugendlichen, das muss man mal klar sagen, es wird zu wenig gemacht. Man sollte nicht immer über die Jugendlichen schimpfen, man sollte sich vielleicht auch mal daran erinnern, wie man selbst gewesen ist, als man noch jung war. Viele Leute vergessen das hier. Ich glaube, wenn man den jungen Leuten ein bisschen Respekt entgegenbringt – den sie auch verdient haben – dann glaube ich, dass die jungen Leute den älteren auch den Respekt zeigen, den die älteren Leute verdient haben.

Dieses Miteinander zwischen Jung und Alt hier - man ist hier „zu schnell auf dem Baum“ und man redet zu selten miteinander. Denn dass es funktionieren kann, haben wir oft genug gesehen, wenn wir vermitteln. Wenn man miteinander redet, geht es. Ein bisschen Respekt, bisschen Achtung, Verständnis von beiden Seiten, ich glaube, dann kann es hier sehr gut funktionieren in der Gropiusstadt. Und in vielen Bereichen klappt das ja auch schon.

Ich danke Ihnen für das Gespräch.

Interview: Undine Ungethüm







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Eugen-Bolz-Kehre 12 12351 Berlin
Anmeldung bis zum 6.12. unter 30 36 14 12

Do. 20.12. 18 Uhr
Adventssingen mit den Kirchen und christlichen Chören der Gropiusstadt
Gropius-Passagen/ Atrium
Veranstaltet von der Evangelischen Kirche in der Gropiusstadt, Dreieinigkeit und der kath. Kirche St. Dominicus

Sa 24.12.  15 Uhr
Krippenspiel
Kirchengem. St. Dominicus
Lipschitzallee 74