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Interview mit Thomas Blesing, Baustadtrat von Neukölln am 12.1.2009 zum Tower-Run
Kategorie: Nachrichten, Aktuelles, Interviews
Anlässlich des alljährlich stattfindenden Treppenmarathons "Tower-Run" im Ideal-Hochhaus in der Gropiusstadt haben wir dessen Erfinder und Initiator Thomas Blesing, Baustadtrat von Neukölln mal zum Thema interviewt.
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Baustadtrat Thomas Blesing moderiert den 9. Tower-Run in der Gropiusstadt

Herr Blesing, Sie sind Baustadtrat in Neukölln. Und sie haben am Sonntag den 9.Tower-Run im Ideal-Hochhaus moderiert. Wie ist es denn dazu gekommen?
Entstanden ist ja der Tower Run, als ich noch nicht Mitglied des Bezirksamts war, sondern noch Fraktionsvorsitzender der SPD in Neukölln, das bin ich ja von 1991 bis 2001 gewesen, also 10 Jahre lang.
 
Ich habe gehört, dass Sie die Idee hatten zu diesem Tower Run. Erzählen Sie mir doch einmal, wie es dazu gekommen ist!
Ja, Die Idee kam mir im Jahr 2000. Noch bevor andere Menschen hier in Neukölln überhaupt wussten, was das ist – ich habe allerdings nicht den Begriff des "Tower Runs" geprägt – sondern das ist buchstäblich so gewesen: Ich war mit meiner Familie in Italien in Urlaub. Und ich saß nachmittags wunderbar im Schatten bei einer Tasse Kaffee und bei meiner Zeitung. Und irgendwie muss es – denke ich mal – bei der Zeitungslektüre zu der Idee gekommen sein. Da findet doch alljährlich in New York dieser berühmte Lauf auf das Empire State Building statt, der damals schon einige Bekanntheit hatte. Hin und wieder las man darüber etwas oder hat im Fernsehen einen Bericht gesehen. Und wir saßen 2000 mit anderen handelnden Personen aus Politik und Wohnungswirtschaft immer zusammen bei einem sogenannten "Runden Tisch Gropiusstadt. Wir haben uns meist im Hochhaus der DeGeWo getroffen, in diesem Gemeinschaftsraum ganz oben. Und von daher geisterte bei mir wahrscheinlich die Idee „Hochhaus“ im Kopf herum. Ein Punkt, den wir damals besprachen, waren die Imageprobleme, die die Gropiusstadt zu der Zeit hatte. Es gab noch kein Quartiersmanagement und es gab viele Leute, die aus der Gropiusstadt weggezogen sind, denn es gab ja die Probleme mit den viel zu hohen Mieten wegen der Fehlbelegungsabgaben, die ja noch zur Miete dazu zu zahlen waren. Die fielen ja erst später wieder weg, als ein Ergebnis dieses runden Tisches. Und alle überlegten immer, was man denn für die Gropiusstadt – in kleinen Schritten - tun könnte. Außerdem war ich schon damals ehrenamtlich aktiv bei der Baugenossenschaft "IDEAL“.

Also ich saß bei diesem runden Tisch als Fraktionsvorsitzender der SPD, Und natürlich ist einem IDEAL-Bau-Genossen immer vor Augen, das ist das höchste Wohnhaus Deutschlands. Und da wir was für die Gropiusstadt tun wollten, warum sollten wir nicht mal was mit dem höchsten Wohnort Deutschlands anstellen? Und so ist die Idee geboren, man müsste dieses Hochhaus hinauf laufen.  Ich bin aus dem Sommerurlaub zurückgekehrt und habe zu unseren damaligen Vorstand  Martin Raasch gesagt, "sag mal, was hältst Du denn von dieser etwas spinnerten Idee?" Und da sagte der, "so spinnert finde ich die Idee gar nicht; lass uns das mal genauer durchspielen, was brauchen wir dafür?

Ja, da sind wir beide dann drangegangen und haben dieses Projekt entwickelt. Zuerst sind wir darauf gestoßen, dass nicht jeder, der möchte, so eine sportliche Veranstaltung einberufen kann, es ist zwar eine Laufveranstaltung für jedermann, aber das muss als Sportveranstaltung angemeldet sein. Es könnte ja jemand zu Schaden kommen. Also war das nächste, was wir brauchten, ein Sportverein. Und da haben wir uns umgehört und gefragt, wer Lust hat, bei so einer eigenartigen Sache mitzumachen, das Hochhaus hinauflaufen, wie aufs Empire State Building.

Das gab es so damals noch nicht in Deutschland?
Wir gehören auf jeden Fall mit zu den ältesten Veranstaltern in Deutschland. Wir haben mit den Sportvereinen Gespräche geführt und der TUS Neukölln hat dann zugesagt und uns erst mal erklärt, dass das mit Laufen überhaupt nichts zu tun hat, sondern eigentlich mehr mit Radfahren, weil da genau die Muskeln beansprucht werden, die beim Radfahren gebraucht werden. Und der TUS hatte damals auch schon eine funktionierende Triathlonabteilung. Und wir wissen ja, Triathlon ist Laufen, Radfahren und Schwimmen. Sie haben dann die Genehmigung beim Landessportbund eingeholt und die haben gefragt: "Waaas wollt ihr machen?? – Na gut, o.k.!"
Und dann ging es ganz schnell, im Spätsommer 2000 bin ich mit der Idee zurückgekommen und der erste Lauf fand schon im Januar 2001 statt.

Wie wurde das denn finanziert?
Es ist auch heute noch so, das finanziert die SPD-Fraktion mit. Das ist Öffentlichkeitsarbeit, das ist Imagepflege des Bezirks Neukölln für die Gropiusstadt. Und die IDEAL-Baugenossenschaft gibt da natürlich eine Menge Geld rein. Da hängt eine ganze Menge dran: Man braucht z.B. Toilettenhäuschen, der Arbeitersamariterbund als Erste-Hilfe-Organisation muss dabei sein. Für den Notfall ist ständig ein Techniker der Aufzugsfirma da. Und das sind nur einige der Dinge, die mit dazu gehören. Für eine Notevakuierung der Bewohner muss auch gesorgt sein. Da hat uns die Feuerwehr gut beraten, die haben gesagt, "das ist doch alles kein Problem, liebe Leute, es gibt doch zwei Treppenhäuser"!

Denn Zwei Evakuierungstreppenhäuser sind nach der Bauordnung bei so hohen Häusern immer notwendig und die waren auch von Anfang an von Prof. Gropius eingeplant. Hin und wieder trainiert die Feuerwehr dort selbst, wie lange ein in feuerfester Montur stehender Feuerwehrmann braucht - vielleicht noch mit einem Atemschutzgerät auf dem Rücken - um ohne Fahrstuhl wenn’s brennt in die 20. Etage zu kommen." Nachdem das alles geklärt war, haben wir den Tower-Run über die Medien ein bisschen beworben. Es war auch von vornherein klar, das ist eine Veranstaltung für Jedermann, da gab es nichts Großes zu gewinnen und kein Startgeld. Sondern einen Pokal und den Spaß an der Freude. Dann haben wir überlegt, wann wir den Tower-Run veranstalten, so dass wir vielleicht in eine kleine sportliche Lücke hinein geraten. Und Anfang des Jahres bietet sich da an, nach Weihnachten und Neujahr ist ja eher „tote Hose“, da spielt noch kein Fußballverein auf dem Rasen, der uns Konkurrenz machen könnte.

Wir haben uns dann auf  den zweiten Sonntag im Januar geeinigt. Und der Rest ist inzwischen Geschichte. Es sind viele Menschen inzwischen bei uns mitgelaufen, viele, die völlig erschöpft oben ankamen und gesagt haben, das mache ich kein zweites Mal, das tue ich mir nicht mehr an; Andere, die gesagt haben, ich war nicht fit genug, da muss ich mal im nächsten Jahr ein bisschen mehr trainieren. Man muss tatsächlich Treppenlaufen trainieren, alles andere nützt gar nichts, z.B. eine ebene Strecke. Ich selbst bin Langstreckenläufer, ich mache das regelmäßig, aber das bringt gar nichts.
 
Haben Sie das schon mal ausprobiert?
Naja, ich bin schon mal 10 oder 12 Stockwerke hochgelaufen (wir haben ja verschiedentlich Pressekonferenzen dort oben), um mal ansatzweise zu sehen, wie das ist. Und, einmal bin ich sehr schnell (in einer Zeit, wie die Gewinner jetzt) runtergelaufen. Und ich sage Ihnen, auch das verursacht am nächsten Tag einen wunderbaren Muskelkater!

Inzwischen gibt in Berlin zwei Nachahmer – oder besser Konkurrenzveranstaltungen. Am Alexanderplatz im Park Inn zum Beispiel haben sie aber ein etwas anderes Konzept. Deren Haus ist zwar höher, aber es ist kein Wohnhaus. Das Park In hat 770 Stufen. Dort rennen die Teilnehmer  nicht zusammen, sondern aus Sicherheitsgründen lassen sie die Teilnehmer im 30-Sekunden-Abstand starten. Also laufen die nur gegen die Uhr und gegen den inneren Schweinehund.

Und seit 2001 sind Sie jedes Jahr beim Tower-Run dabei und moderieren ihn auch meistens?
Ja, entweder allein, wie dieses Jahr, oder mit meinem Kollegen Dirk-Oliver Beyer vom TUS Neukölln, unserem Sportfachmann. Das mache ich wirklich gern, der Tower-Run ist einfach mein Baby!!

Herr Blesing, in ihrer Eigenschaft als Baustadtrat, gibt es vielleicht Neuigkeiten für die Gropiusstadt, die meine Leser interessieren könnten? Wird in 2009 irgendetwas neu gebaut?
Wir sind ja gerade dabei, den Fitnessparcours Gropiusmeile zu bauen. Das ist ein Projekt, das jetzt auf dem Weg ist. Und ansonsten haben wir auch schon ein angefangen, als eine Art Schwerpunktmaßnahme die Radwege zu sanieren. Beispielsweise die Radwege entlang der Fritz-Erler-Allee sind in einem beklagenswerten Zustand. Außerdem wird der Bezirk die beiden maroden, nicht mehr in Betrieb befindlichen Schulen abreißen, die asbestbelastet waren – die sind ja nicht mehr belastet, der Asbest ist ja entfernt worden. Beide Gebäude müssen abgerissen werden und das kostet sehr viel Geld. Mit ein wenig Glück werden wir noch in diesem Jahr, aber spätestens im nächsten Jahr, anfangen, die beiden Ruinen abzureißen.

Herr Blesing, ich danke Ihnen für das Gespräch!

Interview: Undine Ungethüm

erschienen erstmalig in der Stadtteilzeitung Walter im Januar 2009
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Mi 19.12. ab 13 Uhr
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Eugen-Bolz-Kehre 12 12351 Berlin
Anmeldung bis zum 6.12. unter 30 36 14 12

Do. 20.12. 18 Uhr
Adventssingen mit den Kirchen und christlichen Chören der Gropiusstadt
Gropius-Passagen/ Atrium
Veranstaltet von der Evangelischen Kirche in der Gropiusstadt, Dreieinigkeit und der kath. Kirche St. Dominicus

Sa 24.12.  15 Uhr
Krippenspiel
Kirchengem. St. Dominicus
Lipschitzallee 74